Abschiedsbrief an einen guten Freund

Lieber Jürgen*,

jetzt bist du also in einer neuen und – wie es heißt – besseren Welt. Das alles kam sehr schnell, aber leider nicht unvorbereitet. Als ich dich Anfang Dezember besuchte, sprachst du noch von 100 Tagen, die du dir selbst gegeben hast. Nun kam dein Aufbruch also doch früher, als geplant.

Mein Freund Jürgen!

Da wo du jetzt bist, wirst du kein Fremder sein. Viele Bekannte wirst du treffen. Ich denke da an Wiebke oder Manni, der dir jüngst erst voraus ging. Auch ich kenne jemanden in dieser schönen Welt, in der du jetzt deinen Frieden findest. Es ist Rosi, die, wie du dich bestimmt erinnerst, immer gute Laune verbreitete. Ihr werdet viel Spaß haben, an jenem Ort, wo es keinen Neid, keine Missgunst und keine Intrigen gibt.

Du hast deinen Abgang sorgfältig vorbereitet und alles auf Erden weitgehend geplant. So warst du schon immer. Alles musste seine Ordnung haben. Obwohl du die Ordnung auch ganz gern mal durcheinander gebracht hast. Ich denke da nur an die Canon-Drucker. Es war eines deiner speziellen Hobbys, alle elektronischen Geräte bis auf die letzte Schraube auseinanderzunehmen. Du wolltest unbedingt wissen, wie alles funktioniert. Nur die Drucker hast du nicht mehr zusammen bauen können. Drei Stück mussten herhalten, damit du wieder alles schwarz auf weiß (oder in Farbe) ausdrucken konntest.

Eine weitere Leidenschaft von dir waren alte Filme. Bis zuletzt hast du dir Serien und Spielfilme aus DDR-Archiven auf eine Festplatte kopiert. Aber auch die neue Blu-ray-Technik faszinierte dich. Von Fernseh- und Kameraneuheiten will ich hier gar nicht anfangen.

Fast 20 Jahre kannten wir uns. Wir haben gelacht, gestritten und tolle Ideen  entwickelt. Ich hoffe, dass etliches von dem, was du auf die Beine gestellt hast, der Nachwelt erhalten bleibt.

Jürgen bei der Pressekonferenz der Störtebeker Festspiele auf seiner Lieblingsinsel Rügen.

Deine letzte Ruhe wirst du auf deiner Lieblingsinsel finden. Schon zu Lebzeiten zog es dich immer gern nach Rügen. Im Geiste bist du stets mit der Insel verschmolzen gewesen. Und ich verspreche dir, wenn ich Rügen besuche, wird es auch einen kleinen Abstecher zu dir geben.

Ich wünsche dir allzeit Frieden.

Viele Grüße schickt Waschi gen Himmel.

Buschi, machs gut.

*gewidmet Jürgen Busch, geboren am 23. August 1950, gestorben am 6. Januar 2011